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Das magnetische Molekül „Gd7“,
das in dem Tieftemperaturexperiment eingesetzt wurde, hat die
geometrische Struktur einer Schneeflocke. Foto: Nature Communications
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Wie aber erreicht man richtig tiefe Temperaturen im Bereich weniger Kelvin? Dafür wird heutzutage Helium als Kühlmittel eingesetzt. Das wird jedoch immer rarer. „Das sehr seltene Helium-3-Isotop, mit dem man auch einige Zehntel Kelvin erreichen kann, ist inzwischen praktisch unbezahlbar“, sagt Professor Dr. Jürgen Schnack, Mitautor der Studie und Physiker an der Universität Bielefeld. Magnetische Substanzen können ebenfalls zum Kühlen eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem paramagnetische Salze. Ihre Abkühlung hat nichts mit Druck zu tun. Sie kühlen ab, wenn das äußere Magnetfeld, das zum Beispiel von einem Elektromagneten erzeugt wird, abnimmt. Indem der Stromfluss durch die Magnetspule verringert wird, verringert sich auch das Magnetfeld und die paramagnetischen Salze kühlen ab.
Das magnetische Molekül, mit dem seine Kollegen und er experimentiert haben, wird „Gd7“ abgekürzt. Es hat – ganz passend – die geometrische Struktur einer Schneeflocke. Wie die Computersimulationen aus der Arbeitsgruppe von Professor Schnack zeigen, kühlt es sich in einem verringernden Magnetfeld erst ab, erwärmt sich dann wieder, um sich schlussendlich im verschwindenden Magnetfeld wieder abzukühlen. „Wir waren richtig begeistert, als die theoretischen Rechnungen das komplexe Verhalten detailliert erklären konnten“, sagt der Professor für Theoretische Physik. „Im Vergleich zu paramagnetischen Salzen, bei denen die Temperatur stets mit abnehmendem Magnetfeld sinkt, zeigen Moleküle wie Gd7 ein komplexeres Verhalten. So kann man mit ihnen sehr tiefe Temperaturen erreichen, ohne das Magnetfeld vollständig abzuschalten“, berichtet Dr. Marco Evangelisti, in dessen Gruppe an der Universidad de Zaragoza die Tieftemperaturexperimente durchgeführt wurden.
Jürgen Schnack forscht seit 15 Jahren an magnetischen Molekülen. Diese besitzen oft, aber nicht immer, ein organisches Grundgerüst aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Darin sind spezielle Metallionen, zum Beispiel Eisenionen, eingebunden. Jedes dieser Eisenteilchen wirkt als winzige Magnetnadel, und benachbarte Teilchen wirken zusammen wie ein größerer Magnet. Das Ziel der Erforschung magnetischer Moleküle besteht darin, sie passgenau für verschiedene Zwecke zu konstruieren: als durchsichtige Magneten, als Nano-Datenspeicher oder eben als Kühlmoleküle.
Originalveröffentlichung:
Joseph W. Sharples, David Collison, Eric J. L. McInnes, Jürgen Schnack, Elias Palacios, Marco Evangelisti: Quantum signatures of a molecular nanomagnet in direct magnetocaloric measurements. Nature Communications, www.nature.com/ncomms/2014/141022/ncomms6321/full/ncomms6321.html, http://dx.doi.org/10.1038/ncomm6321, erschienen am 22. Oktober 2014.
Weitere Informationen im Internet:
http://obelix.physik.uni-bielefeld.de/~schnack/index-research.html
Quelle/Text/Redaktion:
www.uni-bielefeld.de